Pop-Stipendium Niedersachsen/Bremen

Der deutsche Popmusik-Nachwuchs hat es immer noch schwer, sich gegen internationale Konkurrenz auf dem heimischen Markt zu behaupten. In den Medien und den Vermarktungsstrategien der Tonträgerindustrie rangiert er häufig noch unter "ferner liefen...". Und so konkurriert heute eine Unzahl künstlerisch durchaus wettbewerbsfähiger Bands um geradezu winzige Marktnischen.
Das Popstipendium Niedersachsen/Bremen will seit seinen Anfängen im Jahr 1995 dazu beitragen, diese vielfach beklagte Situation zu verbessern. Es wird als Siegerpreis des renommierten "New Sensation" Wettbewerbs von radio ffn sowie der Lottostiftung Niedersachsen vergeben und wird vom Landesmusikrat Niedersachsen betreut. Mit jetzt 30.000 EUR ist es eines der höchstdotierten musikalischen Förderprogramme in Deutschland. Sein Ziel ist, die Marktzugangschancen hiesiger Nachwuchskünstler durch gezielte Maßnahmen der musikalischen Professionalisierung zu verbessern und damit auch den Musikproduktionsstandort Niedersachsen zu stärken.

Die mit dem Popstipendium ausgezeichneten Musikerinnen und Musiker erhalten die Möglichkeit, in einem hervorragend ausgestatteten Tonstudio und in künstlerischer Auseinandersetzung mit einem renommierten Produzenten ohne den sonst üblichen Zeitdruck arbeiten zu können. Dabei ist die Studioarbeit weniger Ergebnis- als vielmehr Prozess orientiert: Es geht also nicht in erster Linie um die Förderung eines Produktes, sondern vielmehr um die Entfaltung kreativer Impulse im Laufe des eigentlichen Produktionsprozesses, an dessen Ende ein Ergebnis stehen soll, das in Bezug auf Qualität und Anmutung wenigstens mit nationalen CD-Veröffentlichungen konkurrieren kann.

Das Popstipendium Niedersachsen-Bremen steht sichtbar für Qualität und setzt bewusst auf die Auswahl potenziell marktfähiger Künstlerinnen und Künstler. Als Beleg dafür soll – ganz abgesehen von dem beeindruckenden internationalen Erfolg der "Guano Apes" (Gewinner von 1996) – die Bereitschaft großer Schallplattenfirmen, namhafter Produzenten und etablierter Musikverlage stehen, nicht nur die Sieger sondern auch eine Reihe von viel versprechenden Teilnehmerbands unter Vertrag zu nehmen oder mit ihnen längerfristig an marktfähigen künstlerischen Konzepten zu arbeiten. Dazu gehören u.a. die Bands "Doc Vox" aus Osnabrück, "Eat No Fish" und "Reizwolf" aus Göttingen, "Jane Doe" aus Osnabrück, "Maya", "Sonnit" und "Hyperchild" aus Braunschweig, "Mellow Sirens", "No Sex Until Marriage" und "The Jezuz Nut" aus Hannover, "Vivid" aus Salzgitter, "Polarstern" aus Bremen, "Bluish" aus Göttingen sowie "Aeroclub" aus Hildesheim.

Mit den "Guano Apes" aus Göttingen ist es erstmals gelungen, eine Band direkt aus einem Wettbewerb heraus zu "breaken" – und nicht nur das: Das Debüt-Album der "Guano Apes" war bis dahin der erfolgreichste Newcomerstart in der Geschichte der deutschen Popmusik überhaupt. Die Entwicklung der Band ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte und ein Musterbeispiel dafür, wie kluge Förderung traumhafte Karrieren in Gang bringen kann.